Wie wir das Freilernen für uns definieren

Für uns benutze ich das Wort Freilernen, da man so gleich versteht, um was es sich handelt. Generell machen einige einen Unterschied zwischen Freilernen, Homeschooling, Unschooling und Worldschooling, beziehungsweise wird jede Art und Weise zu lernen bestimmt und definiert.

Bei uns wird aber nichts definiert und auch nichts bestimmt. Es gibt bei uns nicht nur eine Art und Weise zu lernen. Alles ist offen, flexibel und kann sich jederzeit verändern. Wir lernen so, wie es gerade passt und gebraucht wird. Den Interessen entsprechend und natürlich an das Alter angepasst.

Deshalb spreche ich allgemein vom Freilernen, weil wir uns frei bilden und sich die Prozesse immer wieder verändern. Alles ist (überwiegend) im Fluss und fügt sich in kleinen Momenten zusammen, welche auf lange Sicht große Wirkung haben.

Das Schöne daran ist, lernen muss man niemandem beibringen. Jeder Mensch lernt automatisch, ständig und immerzu. Bei Kindern sind diese Schritte natürlich sichtbarer als bei uns “Erwachsenen” (ich bin kein Fan dieser trennenden Begriffe – Mensch hört sich viel besser an), da wir irgendwann auch meinen alles zu wissen.

Der beste Beweis dafür, dass man Lernen niemandem beibringen muss ist, dass wir alle von selbst lernen zu laufen, sowie zu sprechen. Ganz simpel durch Nachahmung, abschauen und nachhaken. Dieser Prozess hört niemals auf! Oder glaubt man wirklich, dass ein 6-jähriges Kind aufhört, ein Teil der Gesellschaft sein zu wollen? Deshalb muss man es in eine Bildungseinrichtung schicken, damit es auch bloß am Ball bleibt und nicht hinterherhinkt?

Diese Angst kann ich euch nehmen! Eine andere Sache ist, wenn ein Kind zur Schule will. Auch diese Erfahrung darf man dem Kind meiner Meinung nach nicht nehmen. Aber das lassen wir einmal beiseite.

Die Gesetzeslage…

… interessiert mich in dem Fall nicht. Wir haben unser Leben einfach angepasst. An das, was die Kinder brauchen und wollen. In Deutschland war es uns leider nicht möglich so zu lernen, deshalb haben wir beschlossen die Kinder reisend im Ausland aufwachsend zu lassen (die beste Entscheidung überhaupt). Ich bewundere die Menschen, die trotzdem in Deutschland bleiben und kämpfen, für uns wäre das nichts. Wir haben keine Lust in ständiger Angst zu leben, dazu ist das Leben einfach zu schön.

Für manche mag ein solcher Schritt sehr groß und beängstigend sein. Für mich wäre es aber viel beängstigender meinem Kind zusehen zu müssen, wie es unter all dem Druck leidet. Das ist kein Angriff und niemand der einen solchen Schritt nicht gehen kann/will/möchte ist weniger wert oder stark. Es ist eben nicht immer einfach in unserer Gesellschaft und unser Umfeld macht es uns oft nicht leichter, von daher kann ich es absolut verstehen, wenn man trotzdem mitmacht.

Natürliches Lernen

Hier in diesem Artikel könnt ihr nachlesen, wie man natürliches Lernen unterstützen kann, ohne zu bestimmen. Für uns ist das Leben ein einziger Lernprozess und alles ist auf irgendeine Art und Weise miteinander verbunden. Mathe mit Deutsch und Geschichte mit Kunst, alles fließt in einander ohne Grenzen.

Mein Lieblingsbeispiel: Wir gehen in den Wald und finden einen Bach. Dann kommt die Frage auf, wo der Bach herkommt. Wie kommt das Wasser dort hinein? Und schon sind wir beim Wasserkreislauf. Daraufhin will man wissen, woraus Wolken bestehen, wie sie dorthin kommen und wo sie hinfliegen. Wie schnell sind sie und warum? Wenn das Wasser runterkommt, muss das doch ganz schön viel sein, kann man das messen? Wie? Mit was? Und schon sind wir bei Mathe. Wann sind die Menschen darauf gekommen das so zu messen und wer war das? Wir sind bei Geschichte.

Nicht dass ich all die Antworten weiß, aber einen Teil. Den Rest kann man sich notieren und später nachschlagen. Das Interesse der Eltern muss natürlich gegeben sein. Wer keine Lust auf endlose Fragen hat, für den ist das vielleicht nichts. Ich liebe es und ich liebe es stundenlang zu erzählen, das Strahlen in den Augen meiner Kinder zu sehen oder diese nimmer endende Neugierde zu beobachten.

freilernen

Lernen in einer Blase

Oft wirft man uns vor, dass unsere Kinder in einer Blase aufwachsen und lernen. Das kann ich so nicht stehen lassen, denn das Gegenteil ist beim Freilernen der Fall. Statt in einem Raum mit 30 anderen, die alle andere Interessen haben, den lieben langen Tag zu sitzen und nur theoretisch zu lernen, nehmen meine beiden am echten Leben teil. Natürlich lernen wir auch viel aus Büchern, jedoch sind diese den Interessen angepasst und nicht einem Lehrplan.

Auch wenn ich immer wieder die Lehrpläne durchgehe und vergleiche (auch in meinem Kopf stecken noch viele Muster!), bin ich mittlerweile absolut im Vertrauen und weiß, dass meine beiden alles erreichen werden, was sie sich wünschen.

Kultur, Sprache und Geschichte zu erleben ist etwas ganz anderes, als nur Bilder in Büchern anzusehen.

Lysander und Aurelia haben innerhalb weniger Monate englisch sprechen gelernt. Lysander gleichzeitig lesen und schreiben. Anstatt mehrerer Jahre, hat es lediglich Monate gedauert. Dasselbe mit lesen, schreiben und rechnen.

Auch gut für spontane Fragen ist das Smartphone! Die meisten können auch sprechen und vieles ist schnell gegoogelt. So ist eine Entdeckungstour kein Reinfall, wenn man nicht unbedingt über alles bescheid weiß. Pflanzenapps erleichtern uns das Bestimmen von Pflanzen bei einem Spaziergang und Museen stehen bei uns ganz hoch oben im Kurs.

Begeisterung und das Gehirn

Um zu verstehen wie Lernen ohne Schule tatsächlich funktioniert, muss man vorher einiges verstehen. Kinder sind keine Gefäße, die gefüllt werden müssen. Wie oben bereits beschrieben, lernt man ständig und das automatisch. Ein großer Unterschied zu uns Erwachsenen besteht in der Begeisterungsfähigkeit junger Menschen.

Ich drücke es einmal ganz einfach aus, sodass es jeder versteht. Vielleicht erinnert sich der/die ein oder andere noch daran, wie es war, wenn man als Kind eine neue Entdeckung gemacht hat und wie schön dieses Gefühl war. Gefühle sind essenzieller Bestandteil und so wichtig beim Lernen. Erfolge werden positiv abgespeichert und mit einem tollen Gefühl verbunden. Das ist der Motor dahinter. Das ist es, was uns bzw. die Kinder zum Lernen bewegt.

Im Gehirn finden hier unglaublich viele Prozesse statt, das erspare ich euch. Unten habe ich euch ein wenig Literatur verlinkt, die hilft all das besser zu verstehen und warum es so wichtig ist, Kinder in ihrem eigenen Rhythmus lernen zu lassen.

Wo die Schule hier falsch ansetzt

In der Schule ist interessenbezogenes Lernen rein organisatorisch nicht möglich. Zumindest nicht so, wie Schule im Moment gestaltet wird. Es gibt viele Modelle, die ein solches Vorgehen ermöglichen würden, doch meist verlaufen solche Projekte im Sand, da der Staat irgendwann eingreift.

Jedenfalls wird die Begeisterung in der Schule leider nicht gefördert und damit auch kein nachhaltiges Lernen. Unter den Freilernen nennt man es gerne “Bulimielernen”. Also einmal rein und für den Test wieder raus – Ende. Kaum etwas bleibt im Gedächtnis und wichtig ist lediglich die Zahl im Zeugnis am Ende des Jahres. Für mich ein echtes Armutszeugnis, machen es andere Länder wie z. B. England, USA und viele weitere doch möglich, Kinder zu Hause zu unterrichten.

Erzählt man das jemandem aus diesen Ländern, dass in Deutschland Schulpflicht und auch Anwesenheitspflicht herrscht, kratzen sich diese Menschen fragend am Kopf.

Freilernen und soziale Kompetenzen!

Wie oft man das hört. Als würde man sein Kind im Wald unter Wölfen aufwachsen lassen. Jeder Mensch passt sich seiner Umgebung an. Und da ist niemand ausgenommen. Das ist und war schon immer wichtig für unser Überleben und ist tief verankert (Ausnahmen bestätigen die Regel). Aus welchem Grund sollte eine spezielle Gruppe, die international in hoher Zahl vertreten ist, hier ausgenommen sein?

Bei uns beobachte ich auch hier das Gegenteil. Ein wichtiger Bestandteil des freien Lernen ist für mich auch, dass man weiß, wie man sich verhält und wie nicht. Wann ist etwas angebracht und wann nicht (dabei authentisch zu bleiben ist mir auch sehr wichtig). Doch auch das muss ich meinen Kindern ehrlich gesagt niemals sagen. Sie observieren ihre Umgebung und handeln dementsprechend.

Wenn es rein gar nicht passt, gibt es noch immer die Möglichkeit aus der Situation heraus zu gehen. Das ist universell auf alles Mögliche anwendbar.

Und wieder kann ich nur von uns sprechen, doch ich gehe stark davon aus, dass es bei anderen Familien ähnlich ist. Ich gehe so weit und sage, dass meine Kinder deutlich mehr soziale und interkulturelle Kompetenzen haben, als ich es in ihrem Alter hatte und wie es wahrscheinlich nur wenige “Schulkinder” haben. Aber woher auch, wenn man in einem Klassenzimmer steckt?

Immer wieder begeistern sie mich mit ihren Fähigkeiten, sich in andere hineinzuversetzen. Vor allem Aurelia ist hier Meisterin und erobert jedes Herz.

Warum das so ist? Weil sie zu nichts gezwungen werden und niemand ihnen gesagt hat “Bitte” und “Danke” zu sagen. Das kam irgendwann von selbst, durch Beobachten ihrer Umgebung. So einfach kann das sein. Oft muss man wirklich nicht viel machen, außer alles zur Verfügung zu stellen, was gerade gewünscht ist.

Freilernen – Motivation kaum nötig

Wie ihr bestimmt herauslesen konntet, ist es nicht nötig zu motivieren. Das passiert von selbst, wenn oben Beschriebenes gegeben ist. Das geht an sich in allen möglichen Lebenslagen, dazu muss man nicht unbedingt reisen! Um das einmal klarzustellen. Ich will hier nicht die Illusion erwecken, dass eine Reise das Ultimative Lerninstrument ist. Es ist vorteilhaft und hilft ungemein, aber trotzdem kann man es in einem zuhause ebenso schön und genauso gut gestalten. Wir haben manchmal limitierte Möglichkeiten und bräuchten für manches mehr Platz. Dafür haben nicht Reisende mehr Platz und andere Möglichkeiten!

Beide Lernumgebungen können zum Lernen anregen, wenn die Gegebenheiten passen. Alles kein Problem und individuell möglich. Ich hoffe der Artikel klärt ein wenig auf und hilft das Thema besser einordnen zu können. Bei Fragen lasst die gerne in den Kommentaren da, ich plane noch weitere Beträge zum Thema.

Alles Liebe,
eure Nadine

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