Beide meine Kinder sind nun (fast, Aurelia ist noch 5) aus dem Kindergartenalter draußen. Beide waren nie, bzw. so gut wie nie im Kindergarten. Das hat viele Gründe und alle in einen Artikel mit aufzunehmen, würde den Rahmen sprengen. Das ist und bleibt aber nicht mein letzter Artikel dazu, ich habe noch so viel mehr zu sagen.

Früher auf unserem Ökoblog habe ich regelmäßig darüber geschrieben, warum meine Kinder nicht in den Kindergarten müssen. Da das Thema aufgrund unseres Reisebeginns dann nicht mehr aktuell war und die ganze Thematik rund um den Kindergarten so rein gar nicht in unserem Alltag präsent war, habe ich keine Notwendigkeit mehr gesehen darüber zu schreiben. Irgendwann ging auch der Blog offline.

Aufgrund unserer momentanen Lage, ich meine uns alle als Menschheit, ist es aber für viele von euch nun Realität. Daher möchte ich das noch einmal aufgreifen und euch ein wenig Mut machen. Zeigen, dass das keine schlechte Situation ist und was eure Kinder aus dieser Zeit mitnehmen können, wenn sie nach der Krise wieder in den Kindergarten gehen können. Vielleicht genießt die ein oder andere Familie das Zusammensein auch so sehr, dass es vielleicht zum Alltag wird.

Der wichtigste Grund, warum meine Kinder nicht müssen

Der wichtigste Grund war für mich, weil sie schlichtweg nie wollten. Ich respektiere die Wünsche meiner Kinder, nehme sie ernst und überwiegend laufen unsere Gespräche auf Augenhöhe ab (ich bin keineswegs perfekt!). Dadurch haben meine beiden gelernt, sich so auszudrücken, dass ich sie auch verstehen kann. Sie müssen nichts verstecken, weil sie mir gefallen wollen. Sie werden immer bedingungslos geliebt, egal was passiert. Und das wird von meiner Seite aus auch immer so kommuniziert.

So haben mir beide ernsthaft versichert, dass ich ihnen keine wichtige Kindheitserfahrung nehme, wenn ich sie nicht in den Kindergarten zwinge. Auch Kinder haben Verständnis. Viel sogar, wenn man sie verstehen und teilhaben lässt. Da das meist nicht der Fall ist, sind viele Kinder absolut verunsichert und sich ihrer Gefühle nicht so richtig bewusst. Wenn ein Kind Nein sagt, der Erwachsene aber ja, geht alle Welt davon aus, der Erwachsene weiß es besser. Das wird auch unseren Kindern so beigebracht. Das bedeutet, die eigenen Gefühle sowie die eigene Meinung sind nicht wichtig genug oder gar falsch.

Solange es sich also um keine lebensbedrohliche Situation handelt, dürfen meine Kinder selbst entscheiden, was sie wollen und was nicht. Dieses Recht gestehe ich ihnen zu, das wird auch immer so bleiben.

Damals, vor fast 7 Jahren

Natürlich wäre es für mich mit Kindergarten einfacher gewesen, als Lysander 3 Jahre alt war und ich unbedingt arbeiten gehen wollte. Ich habe ihn für wenige Wochen in den Kindergarten gesteckt. Weil ich das wollte. Ich habe mir eingeredet, er braucht das und weiß nicht, was er da mit seinen 3 Jahren sagt. Ganz typisch, obwohl ich es bereits besser wusste. Aber ICH wollte mehr Zeit, ICH wollte arbeiten gehen, ICH wollte, dass er in den Kindergarten geht. Also habe ICH ihm solange vom Kindergarten vorgeschwärmt (was rückblickend absolut gelogen war), bis er unbedingt wollte.

Während ich meine freie verfügbare Zeit nun bereits fast schon fest verplant hatte, kam die Ernüchterung. Sehr schnell und schlagartig. Trotz sanfter und prima laufender Eingewöhnung weinte mein Kind manchmal jeden Morgen ununterbrochen. Irgendwann brachte ihn dann meine Mama in den Kindergarten, um es “einfacher” zu machen. Das war auch für mich einfacher, musste ich schließlich sein Gesicht nicht sehen, das mir dann nur ein schlechtes Gewissen machen würde. Grauenvolle Gedanken, aber so ist es nun einmal.
Wer schaut schon gerne einer geliebten Person ins Gesicht, während man jener gerade das Herz bricht? Für ein Kind ist die Mutter der Mittelpunkt des Universums. Sie sichert das Überleben, eine Mutter ist der sichere Hafen, der Ort, an dem alles gut ist. Da, wo man immer willkommen ist.

Diese Sicherheitsgefühle werden mit einer solchen künstlichen Trennung zerstört. Es wird quasi der Boden unter den Füßen weggezogen und die Kinder fangen an, an anderen mehr greifbaren Dingen festzuhalten, wie z. B. ein Kuscheltier ohne das nichts mehr geht.

Nachdem ich für uns realisiert hatte, dass das ein bescheidenes System ist, mussten wir an dieser Stelle aussteigen. Ich hielt es nicht mehr aus und Lysander erst recht nicht, auch wenn es nur wenige Wochen waren. Diese wenigen Wochen haben einiges kaputtgemacht und es hat lange gedauert, bis mir mein Sohn wieder blind vertraut hat.

ICH wollte Kinder, daher musste ich es auch wollen, die Verantwortung dafür zu übernehmen. Leider hat es erst eine solche Erfahrung gebraucht, um das endgültig zu verstehen.

Dasselbe wollte ich mit meiner Tochter nicht riskieren, daher haben wir das Thema Kindergarten mit Büchern behandelt und einen Kindergarten besucht, damit sie sich ein Bild machen kann. Ihr nein wurde von Anfang an respektiert.

Aber Kinder brauchen doch Kinder?!?

Diese Aussage empfinde ich als viel zu pauschal. In erster Linie brauchen Kinder Menschen. Wie alt diese sind, sei einmal dahingestellt. Denn auch Kinder sind Menschen, wie wir alle. Warum wir unsere Welten trennen, ist mir ein Rätsel und hat mE. einige negative Auswirkung (das soll ein anderes Mal Thema sein). Ebenso sind altershomogene Gruppierungen evolutionstechnisch gesehen weniger produktiv. Man lernt schließlich von den Älteren innerhalb einer Gesellschaft. Das Wissen der Alten kombiniert mit den neuen kreativen Ideen der jungen Bevölkerung ist ein wunderbarer Mix, um als Menschheit voranzukommen.

Stattdessen packen wir die älteren Generationen gemeinsam in ein Altersheim und die Kinder kommen in extra für sie vorgesehene Einrichtungen (schlaue Leute haben das vielerorts bereits verstanden und es gibt Generationenhäuser, die wohl leider dank Corona so nicht mehr existieren werden).

Wir leben lieber gemeinsam in der echten Welt. Wir brauchen keine Einrichtung, die unsere Kinder auf das Leben vorbereitet. Das können wir nämlich auch selbst. Auf das Kind abgestimmt, alles in seinem Tempo, nach seinen Interessen und ohne Vorgaben – das ist in einem Kindergarten rein organisationstechnisch nicht möglich.

Und da draußen wimmelt es nur von Menschen. Es gibt große Menschen, kleine Menschen, alte Menschen und junge Menschen, witzige Menschen und ernste Menschen. Alles irgendwie gemischt und vor allem eines: echt! Wenn das gegeben ist, brauche ich keinen Kindergarten. Das Leben lehrt genug und es will gelebt werden, nicht zu Tode gefördert.

Wozu eine künstliche Umgebung schaffen, die nur für einen ganz bestimmten kurzen Zeitraum im Leben real und greifbar ist? Weil manche Erwachsene denken, Kinder brauchen das. Experten nennen sie sich, dabei haben sie längst vergessen was es bedeutet, ein Kind zu sein (deshalb stecken sie Kinder auch zusammen in einen Raum, sie halten es nämlich selbst nicht aus!). Diese Leute lassen wir dann den Alltag unserer Kinder bestimmen, in einer so wichtigen Phase des Lebens. In dieser Phase ist eine Mutter (wie oben beschrieben) das A und O. Etwas woran man immer festhalten kann (soll und will), nur nicht, wenn man jeden Morgen in den Kindergarten gebracht wird. Was das mit unsere Psyche macht, soll auch irgendwann Thema sein.

Wir meinen sie brauchen es, weil… ?

Wer braucht den Kindergarten wirklich? Die Kinder oder die Erwachsenen? Wozu brauchen Kinder eine spezielle und “fördernde” Umgebung? Und wer weiß woher, wann sie was brauchen und wozu sie es brauchen? Studien haben gezeigt dass, …… blaaaaaa. Wozu braucht man Studien (diesbezüglich!), wenn man gesunden Menschenverstand besitzt? Logisches Denken allein löst das Problem und zeigt auf, wie unsinnig der Kindergarten (aus der Sicht des Kindes) wirklich ist. Solche Studien kommen natürlich zu dem Ergebnis, dass der Kindergarten wichtig ist. Ansonsten gäbe es ja schließlich keinen Grund dafür. Irgendwie muss man das rechtfertigen.

Wenn wir genauer darüber nachdenken, wird auch klar, dass WIR den Kindergarten brauchen und nicht die Kinder. Wir wollen Ruhe, wir wollen Zeit, wir wollen arbeiten gehen. WIR wollen die Kinder aus dem Weg. Und dafür braucht man Legitimation, denn schließlich hat man die Kinder auch bekommen. Schaut nicht gut aus, wenn man Kinder bekommt und diese dann abschiebt, doch der Kindergarten macht genau das möglich. Unter dem Deckmantel der Sozialisation und Förderung.

Natürlich steckt da noch viel mehr dahinter und ich verurteile niemanden, der seine Kinder in den Kindergarten bringt. Ja, ich kann mir vorstellen, dass es Kinder gibt, denen das wirklich Spaß macht und die gerne in den Kindergarten gehen. Ja, ich kann mir vorstellen, dass es ganz tolle Modelle und so weiter und so fort gibt. Keine Frage, doch das ist nicht das Thema, daher wurde das auch nicht angesprochen. Doch da ich weiß, wie empört Menschen reagieren, wenn man nicht derselben Ansicht ist, muss ich es erwähnen. Und ich habe auch keine direkte (oder eher keine steife) Ansicht, ich betrachte nur die Fakten und habe aus meiner eigenen Erfahrung gelernt. Input ist immer erwünscht und Kritik gerne, aber dann bitte konstruktiv.

Doch stellt euch einmal vor, ihr könntet ebenfalls nur mit euren Altersgenossen interagieren. Wie würde euch das gefallen? Ich bin jetzt 32, darf ich nun nur noch mit Menschen über 30 und unter 40 in Kontakt treten?

Wie seht ihr das Thema? Gehen eure Kinder in den Kindergarten und wie erlebt ihr die Zeit in genau diesem Moment? Gibt es etwas was euch dazu brennend interessiert?

Bücher, die mir geholfen haben Kinder zu verstehen:

2 Comments

  1. Leona Mai

    Hallo,
    Meine Tochter ist 2 und geht dreimal die Woche zu einer Tagesmutter für drei Stunden. Sie kommuniziert sehr offen, ob sie hin möchte oder nicht. Zu 90 Prozent möchte sie aber statt beim Papa zu bleiben dorthin zum spielen und freut sich immer sehr. Wir hatten eine lange Eingewöhnung so wie sie es brauchte. Da sie Einzelkind bleibt hoffe ich auch das es so besser ist.
    Vg 🙂

Lass uns wissen wie du darüber denkst: