Nachhaltig Reisen im Wohnmobil – darüber habe ich hier schon einmal geschrieben. Das erste, was den meisten Leuten einfällt, wenn sie an nachhaltig Reisen und Wohnmobil denken, ist der Diesel. Ja, das ist natürlich ein Nachteil, doch dafür kann man im Wohnmobil allgemein deutlich erfolgreicher nachhaltig reisen. Heute möchte ich euch einige Tipps dazu mitgeben.

Was bedeutet nachhaltig Reisen eigentlich?

Es bedeutet schlichtweg, beim Reisen weniger Ressourcen zu verbrauchen, auf den Stromverbrauch zu achten, anständig mit dem Wasser zu haushalten. Es bedeutet, kein Chemieklo zu benutzen, ökologische Alternativen für Putz- und Kosmetikprodukte (hier kommst du zu unseren selbst gemachten Kosmetikprodukten) zu verwenden und auch, sich im sozialen Bereich entsprechend zu verhalten. Die Kultur des Landes zu berücksichtigen ist ebenfalls ein wichtiger Teil. Wir bleiben vielleicht nur kurz, aber hinterlassen einen gewissen Eindruck und der soll nicht schlecht sein.

Leave nothing but footprints, kill nothing but time, take nothing but pictures

Der für mich wichtigste Aspekt ist wohl die Müllvermeidung generell. Viel zu oft kommen wir an wunderschöne Plätze, die bei näherem Hinsehen ganz schön gruselig ausschauen. Toilettenpapier in den Büschen, Dosen, Flaschen, Verpackungsmüll vom Grillgut, menschliche Hinterlassenschaften und Einwegprodukte wie Plastikbecher. Mittlerweile gesellen sich Masken und Plastikhandschuhe in Massen dazu. Nachhaltig Reisen geht, aber nicht so!

Für uns, die wir im Wohnmobil leben und tatsächlich nachhaltig reisen ist das eine furchtbare Situation. Generell ist die Vorstellung vom Leben im Wohnmobil nicht mit Aufräumaktionen verknüpft, doch wenn wir alle immer wieder ein wenig Müll beseitigen, ist allen geholfen. Das führt uns direkt zu Tipp Nummer eins.

Müll sammeln und vorleben, statt missionieren!

Der beste Tipp, den wir euch mitgeben können und der auch noch nichts kostet, aber allen in die Hände spielt. Vor allem mit Kindern kann man hier ein gemeinsames Spiel daraus machen und der Umwelt etwas Gutes tun. Mit einem Beispiel voranzugehen, war schon immer die beste Methode andere zu motivieren. Nicht in allen Ländern haben die Menschen bereits so weit umgedacht wie in Deutschland. Nachhaltig Reisen bedeutet für uns auch, es anderen vorzuleben. Wenn wir unbedingt einen Kaffee zum Mitnehmen brauchen, bringen wir unseren eigenen Becher. Touristen gestalten das Leben vor Ort maßgeblich mit und wenn wir in unseren Lieblingsdestionationen vor Ort aktiv werden, wird sich über kurz oder lang das Denken in der Tourismusbranche ändern. Nachfrage bestimmt das Angebot, ich hoffe ihr könnt mir folgen.

Zudem kommen wir Vanlifer an so viele verschiedene Orte, dass wir, wenn wir alle mit anpacken, einen echten Unterschied machen können!

Wir haben immer eine Müllzange (wie hier abgebildet) mit an Bord.

Vor allem Lysander nutzt diese fleißig. Wir sammeln aus Bequemlichkeit mit der Hand, das geht für uns schneller, ist jedoch auch nicht immer empfehlenswert. Vor allem am Meer findet man manchmal durchaus unidentifizierbare, von Menschen gemachte Reste, die man auch mit Handschuhen nicht anfassen möchte.

Selbermachen statt kaufen

Der Tipp ist nicht neu, doch vor allem wenn man nicht ständig im Wohnmobil lebt, fallen einem auf Anhieb nicht viele Dinge ein, die man selbst machen könnte. Ganz einfach sind zum Beispiel Aufstriche. Viele sind schnell und einfach gemacht, man braucht nicht einmal einen Mixer dazu. Humus kann man auch gut mit einer Gabel machen, ebenso wie Guacamole und Co.

Allgemein ist vieles schnell gekauft, denn sobald man sich ins Mobil setzte, kommt dieses gewisse Urlaubsgefühl auf. Man gibt automatisch mehr Geld aus! Lebt man aber tatsächlich längere Zeit darin und hat keinen Goldesel an Bord, muss man sich über kurz oder lang etwas überlegen.

Mit ein bisschen mehr Kreativität kann man vieles im Alltag einfach selbst machen. Schließlich hat man, wenn man so lebt, auch die Zeit dazu. Positiver Effekt: Man lernt etwas Neues. Neue Fähigkeiten sind immer gut und mit der Zeit wird man ein richtiger Profi im lösungsorientierten Denken!

Selber Kochen

Hat ein bisschen etwas mit Punkt 2 gemeinsam. Wie oben bereits erwähnt, hat man dieses permanente Urlaubsgefühl. Das ist schön und gut, man muss nur wissen wie man damit umgeht. Als wir vor 4 Jahren das erste Mal ins Wohnmobil gestiegen sind, haben wir ständig außerhalb gegessen! Bei jedem Ausflug hier ein bisschen etwas und da ein bisschen etwas. Das war sehr bequem und total unnötig.

Wir alle gehen gerne einmal auswärts essen, das ist klar und überhaupt nichts Schlechtes. Nachhaltig Reisen im Wohnmobil bedeutet aber auch, selbst zu kochen. Um Ressourcen zu schonen, denn auch wenn uns das erst einmal nicht bewusst ist, fallen hier Tag für Tag Unmengen an Resten an, das muss nicht sein. Wir beobachten das immer wieder, wie Teller nicht aufgegessen werden und die Reste nicht einmal mitgenommen werden. Das tut so weh!

Außerdem kocht es auch jemand extra für dich und eventuell ist auch noch ein Tier dafür gestorben. Nachhaltig Reisen im Wohnmobil geht anders.

Außerdem, wer kocht nicht gerne mit einer wahnsinnig schönen Aussicht irgendwo in der Natur oder am Meer?

Märkte/lokale Geschäfte besuchen

Gerade im Süden bekommt man auf Märkten nahezu alles, was das Herz begehrt. Was das mit nachhaltig Reisen im Wohnmobil zu tun hat? Generell hält man, wenn man in einem Camper unterwegs ist, einfach schnell am nächsten Supermarkt an, bevor man zum nächsten schönen Platz fährt. Das ist bequem und ja, wir machen das auch immer wieder!

Doch allgemein kaufen wir und Obst & Gemüse auf dem Markt. Es ist günstiger, überwiegend regional, kurze Transportwege sind gegeben und viele ältere Verkäufer/innen können sich Düngemittel nicht leisten. Das bedeutet, oft sind die frischen Waren nicht einmal behandelt (haltet nach den kleinen Ständen mit älteren Menschen Ausschau, die brauchen es auch mehr!). Man erkennt es auch gut an der Größe der Früchte.

Zudem werden hier meist saisonale Produkte angeboten, was den Geldbeutel noch einmal mehr schont.

Im Internet hat man solche Märkte schnell gefunden, wenn man einfach “Markt” plus die gewünschte Stadt in der Landessprache bei Google eingibt (Übersetzer nutzen).

Für Spanien zum Beispiel: “Mercado Málaga”. So findet man ganz schnell den nächstgelegenen regionalen Markt. Die Preise sind deutlich unter jenen im Supermarkt und es macht auf Dauer einen großen Unterschied auf dem Bankkonto. Außerdem kann man so etwas mehr in die Kultur und Gegebenheiten vor Ort eintauchen und staubt eventuell noch Tipps von den Locals ab.

Taschen und Beutel

Dass man auch beim nachhaltig Reisen im Wohnmobil einen Beutel, eine Stofftasche oder Ähnliches mit an Bord hat, ist mir an sich klar. Doch es gehört einfach mit in die Liste. An sich hat man im Wohnmobil auch nicht unbedingt den Platz für eine Tütensammlung.

Langsam fahren, langsam leben

Wenn ihr euch sowieso schon dazu entschlossen habt, längere Zeit mobil unterwegs zu sein, ist dieser Tipp für euch. Fast jeder Vanlifer macht am Anfang den Fehler und fährt viel durch die Gegend, um möglichst viel zu sehen. Haben wir auch so gemacht, da sind wir keine Ausnahme. Mittlerweile wissen wir aber, wie es besser geht.

Nachhaltig Reisen im Wohnmobil ist auch hier gar nicht so schwer. Klingt logisch, dass wenn man langsamer fährt auch weniger Benzin oder Diesel verbraucht. Das kommt dem Entdecker in uns auch eigentlich viel mehr entgegen. Schnell schnell hat noch keiner eine Gegend durch und durch erkundet. Wir erleben es immer wieder (vor allem mit den Kindern), dass langsam machen einfach viel mehr Sinn macht.

Man sieht mehr, man lernt mehr, man erfährt mehr, man hört mehr, man versteht schlussendlich mehr. Vom Leben, über sich selbst oder was um uns herum passiert.

Kaffee aus Bohnen

Einer meiner Lieblingspunkte in dieser Liste. Was hat Kaffee mit nachhaltig Reisen im Wohnmobil zu tun? Die meisten Menschen können einfach nicht ohne, auch ich zähle dazu. Kaffee ist aber so eine Sache und echt nicht nachhaltig. Daher versuche ich das für uns, so gut es geht, umweltfreundlich zu gestalten. Wir kaufen Kaffeebohnen in einer größeren Verpackung und mahlen diese selbst. Das spart Müll, der Kaffee schmeckt und aus den Resten mache ich mir super gerne ein Peeling. So bleibt nichts oder nicht viel übrig.

Es gibt aber noch viel mehr Anwendungsmöglichkeiten für den Kaffeesatz!

Waschbare Küchentücher

Auch in der Küche kann man vieles anders gestalten. Kennt ihr noch den guten alten Putzlumpen? Alte oder ausrangierte T-Shirts, Handtücher und Co lassen sich im Handumdrehen zu waschbaren Küchentüchern umfunktionieren.

Die Herstellung von Hygienepapieren erfordert enorm viel Holz, Wasser, Energie und sorgt dafür, dass giftige Stoffe in unsere Gewässer fließen. Dafür, dass wir es nur einmal nutzen und dann wegwerfen, ist diese Tatsache eine Schande. Es scheint nur eine kleine Veränderung zu sein, doch die kann großes bewirken. Hygienepapiere werden nicht wieder dem Papierkreislauf zugefügt, sondern landen im Abfall oder in der Kanalisation. Gefällt dir der Gedanke, unsere Wälder die Toilette hinunterzuspülen?

Wiederverwendbare Wasserflaschen

Das ist etwas, was absolut Sinn macht, wenn man nachhaltig Reisen möchte. Wasser gibt es in Europa außerhalb von Deutschland (vor allem im Süden) überall an Trinkwasserbrunnen. Das auch noch kostenlos. Hier könnt ihr einmal nachschauen: Trinwasserquellen

Nachhaltig Reisen im Wohnmobil ist an dieser Stelle ebenso sehr einfach. Auch wenn man den Wasserverbrauch von Vanlifern generell anschaut, hat man schließlich nur einen Tank zur Verfügung.

Wir machen es auch gerne so, dass wir uns einen der großen Wasserkanister um Supermarkt kaufen und diese immer wieder mit frischem Trinkwasser auffüllen.

Nachhaltig sauber bleiben – Kosmetikprodukte

Hier möchte ich euch ein Video zeigen, in dem ich euch erzähle wie wir uns minimalistisch und nachhaltig unterwegs sauber halten.

Ansonsten könnt ihr hier auf dem Blog in der Kategorie “Körperpflege” einmal nachschauen, da gibt es noch mehr nachhaltige Lösungen, was die Körperpflege betrifft.

Warum nachhaltige Kosmetik? Weil uns folgende Inhaltsstoffe in konventionellen Kosmetik- und Körperpflegeprodukten zu gefährlich sind:

Aluminiumsalze: Werden über die Haut aufgenommen, stehen im Verdacht Alzheimer und Brustkrebs auszulösen.

Formaldehyd: Schädigt die Hautflora und reizt enorm.

Mineralöle und Paraffine: Werden häufig als Basis für Cremes & Co eingesetzt, haben aber keinerlei Wirkung. Abgesehen von einer schädlichen. Es legt sich eine Schicht aus oben genannten Stoffe auf unsere Haut, unter welcher sich Keime und Bakterien prima vermehren können. Zudem können diese Stoffe nicht natürlich abgebaut werden, wenn sie in unsere Umwelt gelangen. Sprich: Auch dort richten sie Schäden an!

Benzophenon & Parabene: Sie stehen im Verdacht Krebs auszulösen und zudem sind sie hormonell wirksam.

Phlalate & Weichmacher: Reichern sich im Körper an, begünstigen Diabetes und Fettleibigkeit, problematisch für die Bauchspeicheldrüse, stehen im Verdacht sich auf die männliche Fruchtbarkeit auszuwirken.

Das sind nur wenige Beispiele und ich könnte die Liste ewig fortführen. Wir wollen das nicht auf unserer Haut und schon gar nicht in unserer Umwelt.

Chemieklo ohne Chemie

Nachhaltig Reisen im Wohnmobil mit einer Chemietoilette? Geht gar nicht, deshalb haben wir keine Chemie in der Toilette. Es gibt mehrere Möglichkeiten, wir verwenden ätherische Öle, das klappt ganz gut. Andernfalls gibt es einen einen Zusatz, der natürlich sein soll und die Campingwelt scheint begeistert zu sein. Dabei handelt es sich um Ammovit (über den Link kommt ihr direkt zum Produkt). Habe es seobst noch nicht getestet!

Und wer da keine Lust drauf hat, kann sich gleich eine Trockentoilette einbauen. Das ist das, was ich absolut präferieren würde.

Das muss kein teures Komplettset sein. Man kann sich eine geruchsneutrale und umweltfreundliche Trenntoilette auch prima selbst zusammenbauen, mit einem Set wie hier abgebildet.

Sollten wir einmal unsere Toilette renovieren, wird es auf jeden Fall eine solche Toilette werden!

Klimaanlage vermeiden

So oft beobachten wir Camper, die im Sommer in ihre Mobile eingeschlossen sind, mit laufender Klimaanlage. Die Problematik ist uns allen bewusst und ganz ehrlich ist das wirklich nicht nötig. Am Meer geht immer ein Lüftchen, es findet sich immer ein schattiges Plätzchen und die künstliche Luft ist doch auch irgendwie nicht ganz so gesund? Sein muss es jedenfalls nicht und nachhaltig ist es auch rein gar nicht.

Strohhalme

Strohhalme gibt es mittlerweile aus Bambus oder aus Metall und überall zu kaufen. Diese sind nicht nur nachhaltiger, sondern brauchen auch weniger Platz. Schließlich braucht man keine 100 davon. Wir haben welche aus Bambus und sind ganz zufrieden damit.

“It’s just one straw, Said 8 Billion people”.

Neues Kaufen

Nachhaltig Reisen im Wohnmobil ist auch an dieser Stelle wieder relativ einfach. Der Platzmangel kommt uns absolut entgegen, vor jedem neuen Kauf muss man sich wirklich überlegen, wie wichtig es ist, dass man dieses Teil nun besitzt. Meist kommt es uns bei genauem Überlegen irgendwann doch in den Sinn, dass wir einfach aus Gewohnheit kaufen, ohne darüber nachzudenken.

Frauensache

Last but not least, die Menstruationstasse. Ich habe meine nun schon jahrelang im Einsatz und bin superzufrieden. Bei fast 50 Milliarden Menstruationsprodukten jährlich alleine in der EU, ist es für mich persönlich ganz klar, dass ich kein Teil dieses Umweltproblems sein will. Wenn man dann noch bedenkt, dass diese ca. 500 Jahre lang auf der Erde verweilen, ist die Entscheidung nicht mehr ganz so schwer. Wenn also die freie Menstruation nicht möglich ist, habe ich immer mein Tässchen dabei und bin glücklich damit.

Diese Menstruationstasse nutze ich nun schon mehrere Jahre und bin mehr als zufrieden. Es handelt sich hierbei um die einzige hypoallergen zertifizierte Mestruationstasse.

Die OrganiCup ist natürlich auch vegan!

Das waren meine 15 Tipps für zum “nachhaltig Reisen im Wohnmobil”. Ich hoffe, ihr könnt etwas für euch mitnehmen und wir machen unseren Planeten gemeinsam wieder sauber. So viele Dinge erfordern nur ein kleines bisschen Handeln und im Handumdrehen haben wir ein nachhaltigeres Leben.

Für unsere Kinder, für unsere Zukunft und vor allem für unseren Planeten. Wir haben nur diesen einen. Es ist unser zuhause, das zuhause unserer Kinder und das zuhause vieler weiterer Lebewesen, die unter unserem Handeln leiden müssen. Das muss ein Ende haben, lasst uns gemeinsam etwas dafür tun!

Hat dir der Artikel gefallen? Dann teile ihn doch, um noch mehr Menschen zu erreichen.

Lass uns wissen wie du darüber denkst: