Mit dem Wohnmobil nachhaltig unterwegs – geht das?

Die meisten Wohnmobile sind Dieselfahrzeuge. Und laut einiger Menschen, Wissenschaftler und Instituten wahre Umweltverschmutzer! Wo genau ist es denn nun nachhaltig im Wohnmobil unterwegs zu sein, bzw. zu reisen?

Zuerst einmal muss man mit dem Vorurteil, dass dieselbetriebene Wohnmobile grundsätzlich Übeltäter sind, aufräumen. Zwar fährt man damit nicht die umweltfreundlichste Variante, jedoch muss man hier ein wenig über den Tellerrand schauen. Einfach zu sagen: “Wohnmobile sind schlecht für die Umwelt”, ist weit hergeholt und nicht wirklich durchdacht. In meinen Augen ist es kopiertes Halbwissen aus Fernsehen und Nachrichten.

Ein Vergleich mit Hotelaufenthalten und Flugreisen (welche ich im Übrigen auch nicht verteufele) zeigt schnell, dass eine Reise im Wohnmobil sehr wohl deutlich nachhaltiger ist.

Generell wird im Wohnmobil lediglich das verbraucht, was auch tatsächlich benötigt wird. Wäsche wird dann gewaschen, wenn man wirklich muss. Strom (gängig ist Solarstrom!) dann genutzt, wenn man ihn braucht und dasselbe gilt für den Wasserverbrauch – welcher begrenzt ist. Essen wird auch nur dann gekocht, wenn man hungrig ist. Die Einschränkungen was den Platz angeht, lassen umdenken und automatisch umweltfreundlicher handeln, auch wenn das nicht beabsichtigt ist. Auch wird nicht permanent geheizt, sondern auch nur dann, wenn es wirklich kalt ist. Durch den kleinen Raum wird es schnell warm und wenn das Mobil gut isoliert ist, hält das auch eine lange Weile an. Ebenfalls macht die Körperwärme einiges aus, sodass man oft gar nicht heizen muss.

nachhaltig wohnmobil

Schauen wir uns einmal einen Hotelaufenthalt an, sei er noch so kurz, wird schnell klar, dass eine Wohnmobilreise um Längen umweltfreundlicher ist. In einem Hotel wird stetig geheizt, Essen in Unmengen zubereitet (warm gehalten und auch weggeworfen!), ständiger Handtuchwechsel (und auch Bettwäsche) ist üblich und der Wasserverbrauch ist enorm, nicht nur um das Hotel sauber zu halten. Vielleicht gibt es einen Pool und das ganze Hotel muss immerzu sauber sein. Ob es sich dabei um die Küche, die angebotenen Zimmer oder die Aufenthaltsräume handelt ist völlig gleich. Üblicherweise reist man obendrauf auch noch mit dem Flugzeug an, was den Ressourcenverbrauch noch einmal steigen lässt.

Ich will hier nicht den Diesel anpreisen, ganz im Gegenteil. Ich möchte nur mit den gängigen Vorurteilen aufräumen und durch einen Vergleich zeigen, dass es wohl möglich ist nachhaltig mit dem Wohnmobil unterwegs zu sein. Solange man nichts über’s Bein bricht und keine 6 Länder in 3 Wochen bereist. Für gewöhnlich lassen sich Mobilisten sehr viel Zeit, was ebenfalls eine Rolle spielt. Weniger ist in diesem Fall so sehr viel mehr!

Vor allem macht man im Wohnmobil normalerweise keine Fernreisen, was auch noch mit ins Gewicht fällt.

Was kann man noch tun, um möglichst nachhaltig im Wohnmobil unterwegs zu sein?

  • Wenn noch kein Wohnmobil vorhanden ist, gleich eines kaufen, das nicht mit Diesel betrieben wird.
  • Slow Travel. Gleichmäßiges, gemütliches und vorausschauendes Fahren ist umweltschonend und man sieht etwas mehr von seiner Umwelt.
  • Eine Solaranlage anschaffen. Prinzipiell gibt es aber auch Windräder für das Wohnmobil.
  • Sehr einfach, da nur wenig Platz zur Verfügung steht: nur das Einkaufen was auch gegessen wird. Oft steht man längere Zeit an einem Platz und meist ist auch der Markt oder Supermarkt in fußläufiger Nähe, sodass bei Bedarf noch einmal schnell eingekauft werden kann.
  • Dazu gehört auch regionales Einkaufen. Der angesprochene Markt ist nicht nur nachhaltiger sondern schont auch den Geldbeutel, womit das Reisebudget wiederum steigt.
  • Je mehr Mitfahrer, desto geringer der Pro-Kopf-Verbrauch – logisch oder? Gerade wenn man nur zu zweit unterwegs ist, kann man z. B. über Bla Bla Car Mitfahrer für gewisse Teilstrecken suchen. Zum einen teilt man sich die Spritkosten und zum Anderen kann der Austausch mit anderen Reisenden sehr inspirierend sein. So wird die Fahrt zum Ziel keinesfalls langweilig.
  • Energie sparen. Sollte es im Wohnmobil bei der Ankunft nach einem Ausflug einmal etwas kälter sein, reicht die Körperwärme zum “heizen” oft aus. Ist es zu warm und ihr könnt auf die Klimaanlage nicht verzichten (geht oft wenn man einfach nur alle Fenster öffnet!), dann bitte alles geschlossen halten um nicht zu viel zu verbrauchen! Oder man hält sich einfach draußen auf. LED Lampen nutzen ist auch nicht schlecht und lässt sich leicht umsetzen.
  • Wenn die Wäsche anfällt, den Trockner sein lassen. Man hat üblicherweise an seinem Platz die Möglichkeit die Wäsche aufzuhängen. Vor allem im Süden kann diese dann schneller trocknen, als in einem ressourcenverbrauchenden Trockner.
  • Keine Chemie in der Toilette! Absolute Umweltsünde und für mich mittlerweile unverständlich sind Chemieklos. Der Geruch lässt sich auch anders ins positive verwandeln oder man baut sich gleich eine Trenntoilette mit ein. Was ich persönlich absolut empfehlen würde! Kein Wasser- und Chemieverbrauch ist der Pluspunkt schlechthin und auch können alle Hinterlassenschaften biologisch abgebaut werden. Alternativ gibt es auch biologisch abbaubare Toilettenzusätze.
  • Energiesparened Fahren geht auch. Ist das Reiseziel etwas weiter weg, kann man das mit einem längeren Aufenthalt am Zielort ausgleichen. Dazu gehört auch der richtige Reifendruck und unnötiges zu Hause zu lassen. Man braucht meist doch weniger als man denkt. Je weniger Gewicht, desto geringer ist auch der Kraftstoffverbrauch.
  • Ökologische oder selbstgemachte Kosmetik und Putzmittel verwenden. Auch unterwegs spielt das eine Rolle, schließlich muss man sein Schmutzwasser auch irgendwo ablassen. Natürlich nur in die vorhergesehenen Abflüsse, doch man kann mit ökologischen Reinigern und Kosmetikprodukten sehr wohl einen Unterschied machen.
  • Energieeffiziente Geräte im Wohnmobil verbauen. Da wären z. B. der Kühlschrank, die Lampen, Kochausrüstung usw.
  • Kunststoff vermeiden kann man immer und überall. Z. B. bei den angesprochenen Kosmetika. Um diese nicht neu in einer Plastikverpackung kaufen zu müssen, einfach selbst machen. Dasselbe gilt für Reiniger. Beim Einkauf die eigene Tasche mitbringen ist mittlerweile gängig und auch die Plastikverpackungen im Supermarkt lassen sich vermeiden, wenn man eigene Transportnetze und Co mitbringt. Das geht nicht nur zu Hause, sondern auch im Urlaub und ist absolut unproblematisch.
  • Ebenfalls kann man Kunstoff vermeiden, wenn man sich rechtzeitig Gedanken zur anstehenden Wohnmobilreise macht. Die besagten Taschen und/oder Netze mit einpacken, Glasflaschen in dafür vorgesehenen Sicherungskästen mitführen und auch Dosen für eventuelle Ausflüge, um nicht alles in Plastik verpacken zu müssen. Da fällt euch bestimmt noch viel mehr ein – lasst es uns doch in den Kommentaren wissen.
  • Der letzte Tipp, damit die genannten Glasflaschen auch einen Sinn ergeben: diese an Trinkwasserbrunnen auffüllen, anstatt ständig neue Kunstoffflaschen zu kaufen. Gerade im Süden sind Trinkwasserbrunnen an jeder Ecke zu finden und das auch noch kostenfrei!

Müll allgemein vermeiden

Oben nicht genannt ist generell die Müllvermeidung. Darauf möchte ich hier noch einmal genauer eingehen. Prinzipiell ist es im Ausland teilweise sehr schwer seinen Müll zu trennen, da dies einfach nicht gängig ist und die Menschen üblicherweise alles zusammenwerfen. Nicht nur in den Mülltonnen, sondern auch außerhalb. Die Umweltverschmutzung ist von enormen Ausmaßen. Da muss man als Wohnmobilreisender nicht mitmachen und kann mit gutem Beispiel vorangehen.

Oben habe ich einige Beispiele genannt, doch man kann sicher noch mehr tun. Spontan fallen mir wiederverwendbare Kosmetiktücher, auswaschbare Küchentücher und die Menstruationstasse für Frauen ein. Habt ihr hier noch Tipps?

Vor allem wenn man frei in der Natur steht, ist es wirklich sehr sehr wichtig, seinen Müll wieder mitzunehmen. Das muss eigentlich nicht gesagt werde, da es mittlerweile jedem klar sein sollte. Doch die Realität sieht ganz anders aus. So oft haben wir tolle Plätze angefahren, mitten im Nirgendwo und doch hat die “Zivilisation” selbst hier ihre Spuren hinterlassen. Und leider sind viele Camper nicht besonders achtsam. Obwohl man als Camper am liebsten draußen im Grünen ist, scheint es den meisten völlig egal zu sein, wie der Ort nach der eigenen Abreise ausschaut. Ich hoffe in naher Zukunft ändert sich das wieder.

Man kann also sehr viel tun, um auch im Wohnmobil nachhaltig unterwegs zu sein und es kommt keineswegs auf den Diesel an. Oft ist es dazu auch noch die günstigste Lösung, was natürlich noch mehr motiviert so nachhaltig wie möglich zu reisen.

Was macht ihr um nachhaltig zu reisen? Ob mit oder ohne Wohnmobil spielt keine Rolle! Das Ganze gibt’s bei uns natürlich auch als Video!

Lass uns wissen wie du darüber denkst: