Kleidung aus dem Müll – wie und warum wir uns so kleiden

Wer uns auf Instagram oder YouTube folgt weiß, dass wir unsere Kleidung überwiegend aus dem Müll beziehen. Heute möchte ich euch einmal etwas ausführlicher erklären, wie es dazu kam, wie es funktioniert und auch was wir mit dem machen, was wir nicht mehr benötigen.

Kleidung aus dem Müll – Warum?

Was hinter den Kulissen der gängigen Modeketten abläuft, ist mittlerweile bekannt. Ausbeutung, Hungerlohn, Überstunden dass es knallt, Kinderarbeit, gesundheitsschädliche Chemikalien weitere und lebensgefährliche Arbeitsbedingungen stehen an der Tagesordnung. Für uns ist das absolut nicht vertretbar und statt neu oder Second Hand zu kaufen (was manchmal trotzdem sein muss, später mehr), recyceln wir unsere Kleidung aus dem Müll.

Auch der Gedanke daran, dass das Teil Tausende von Kilometern transportiert wird, macht die Sache nicht besser.

Second Hand Kleidung ist auch nicht immer besser, dazu gleich mehr. Vorher muss man Folgendes wissen:

Das Kleidercontainerproblem

Das Problem hierbei liegt daran, dass die Kleidung, welche wir in die Container werfen, nicht dort ankommt, wo sie tatsächlich gebraucht wird. Ich will nicht alle Organisationen über einen Kamm scheren, aber die meisten! Überwiegend wird die Kleidung, die wir mit dem Gedanken daran etwas Gutes zu tun spenden, nach/in Osteuropa, Afrika und Co verkauft wird (wenn sie nicht im Müll bzw. als Putzlappen enden) – oder eben an Second Hand Shops. Daher sind wir auch bei Second Hand Shops sehr voreingenommen und wissen nie genau, wo die Kleidung herkommt.

Kleidung aus dem Müll – wie geht das?

Wir sind viel unterwegs. Wir laufen viel, auch durch Städte und Gegenden, die man so vielleicht nicht unbedingt auf dem Schirm hat. Wenn wir durch die Gegend fahren und einen großen Haufen Müll sehen der ausschaut, als könnte etwas Brauchbares dabei sein, halten wir an.

Wir halten unsere Augen generell immer offen. Für alles Mögliche, nicht nur Müll. Wir schauen uns vieles genau an, lassen uns Zeit und sehen/entdecken auf diese Art und Weise sehr viel. Und darunter eben auch Kleidung. Meist in Säcken oder Taschen verpackt neben der Mülltonne abgestellt. Dazu muss man aber auch wissen, dass es in anderen europäischen Ländern ein anderes Müllsystem gibt. Es stehen große Tonnen an jeder Ecke, quasi für jedermann.

Und genau hier finden wir haufenweise Klamotten. So viel, dass wir die Qual der Wahl haben, was nehmen und was nicht. Hier einmal ein Youtube-Video, in welchem ich euch den Fund eines Tages zeige.

Warum nicht bei nachhaltigen Labels shoppen?

Das werde ich oft gefragt. Warum nicht? Weil ich der Ansicht bin, dass bereits genügend Kleidung für alle existiert. Es mag sein, dass es Labels gibt, welche Kleidung aus recyceltem Material herstellen. Das ist schön und gut, doch oft können sich die Menschen diese Kleidung nicht leisten. Oder nur wenige ausgewählte Teile.

Es ist ein Schritt in die richtige Richtung, das auf jeden Fall. Jedoch macht es wenig Sinn, wenn sich die Masse das nicht leisten kann. Deshalb sind die üblichen Verdächtigen noch immer sehr erfolgreich unterwegs und werden auch nicht mit ihren fragwürdigen Produktionsprozessen aufhören. Trotzdem ist es gut, dass bereits viele nachhaltige Labels auf dem Markt sind!

Das bedeutet aber nicht, dass ich diesen ganzen Wahnsinn unterstützen muss. Diese komplette Maschinerie drum herum empfinde ich als menschen- und naturverachtend, woran ich persönlich vom Prinzip her absolut nicht teilhaben möchte. Deshalb halten wir weiterhin die Augen offen und durchforsten die Tüten neben dem Müllcontainer nach hübschen Klamotten.

Es fühlt sich manchmal ein bisschen nach Schatzsuche an. Man weiß nie, was man findet.

Was passiert mit dem, was wir nicht mehr brauchen?

Alles was wir aussortieren geht oft direkt an die Menschen, welche Interesse daran haben. So hat Aurelia ihren zu klein gewordenen Roller an eine Freundin in Málaga verschenkt und Lysander in Rom seine halbe Garderobe an bedürftige Kinder (wir hatten ein tolles Picknick mit einer Romafamilie).

So passiert das oft bei uns. Dadurch dass wir unterwegs sehr viele Menschen treffen, bekommen wir hin- und wieder etwas geschenkt und wir schenken ebenfalls weiter. Oder wenn wir sehen, jemand braucht etwas, was wir besitzen, jedoch keinen richtigen Nutzen davon haben. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen.

Alles andere stellen wir ebenfalls neben die Mülltonne, damit sich andere daran bedienen können. Wir freuen uns dann immer wenn wir sehen, dass die Sachen auch mitgenommen wurden. Vor allem Aurelia sortiert gerne aus und schenkt weiter. Sie ist da so richtig ambitioniert.

Auch etwas, was wir öfter machen: Obdachlose Menschen aufsuchen und direkt fragen, was sie brauchen. So haben wir schon alte Handys verschenkt, jemandem den Winter mit einer Daunenjacke angenehmer gemacht und die vierbeinigen Begleiter jener Menschen ausgestattet. Was man immer zurückbekommt, ist ein großer Haufen Dankbarkeit und ganz viel Liebe.

Wie kann man damit anfangen?

In Deutschland ist das ganz schön schwierig. Vom Gesetz her ist es an sich nicht erlaubt, sich z. B. am Sperrmüll zu bedienen (was aber nicht jeden davon abhält). Auch ist die Mentalität generell eine ganz andere. Meiner Erfahrung nach läuft es eher so ab, dass man seine Sachen lieber zerstört, bevor sie jemand anderes noch nutzen kann. Inwieweit dieses Denken noch in der deutschen Gesellschaft vorhanden ist, weiß ich nicht. Vielleicht könnt ihr mir in den Kommentaren ein wenig erzählen?

Damit solche Dinge möglich werden, muss natürlich erst mal einer anfangen. Noch als wir in Deutschland gelebt haben, haben wir hin und wieder Dinge am Straßenrand gesehen, die eindeutig als “zu verschenken” deklariert waren. So wird die ganze Sache legal.

Wenn wir, statt unsere Kleidung (oder was auch immer!) in den Altkleidercontainer/Müll zu werfen, die Sachen einfach kontinuierlich in Säcken verpackt mit der Aufschrift “zu verschenken” an den Straßenrand, oder vor dem Haus, oder im Hausgang des Mietshauses stellen würden, würde das irgendwann sicher die Runde machen. Und dann machen vielleicht immer mehr Menschen mit. Oder eben jene Kleidung auf Ebay Kleinanzeigen verschenken. Das haben wir früher sehr oft mit zu klein gewordenen Sachen gemacht. Da waren sehr oft sehr dankbare Mamas dabei!

Kernaussage: Es läuft bescheiden, egal wie man es dreht und wendet. Statt auf das Handeln der Politik oder Konzern zu warten, müssen wir das selbst in die Hand nehmen, statt die Verantwortung ständig auf andere zu schieben. Power to the People!

Was wir noch neu oder Second Hand kaufen

Überwiegend Dinge für Lysander, da Kleidung für Jungs eher rar ist. Und natürlich Unterwäsche, Badekleidung und Ähnliches. So weit, dass wir auch diese recyceln, gehen wir dann doch nicht.

Übrigens könnt ihr auf Instagram in den Highlight “Containern” und “FairFashion” sehen, was wir so alles aus dem Müll ziehen.

Damit wünsche ich euch einen schönen Tag

Nadine

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