Seit über einer Woche nun leben wir schon im Wohnmobil. So richtig im Wohnmobil mit totaler Ausgangssperre. Mitten in Spanien, weit von “zu Hause” entfernt. Und wir fühlen uns wohl, trotz aller Beschränkungen und sich täglicher ändernden Regelungen. Es ist nicht das erste Mal, dass wir längere Zeit im Wohnmobil verbringen müssen, von daher fällt es uns zum Glück nicht schwer. Ich möchte euch hier unsere Situation ein bisschen genauer schildern. Vor Ort zu sein ist doch ein wenig anders als das, was man im Fernsehen sieht und hört.

Ausgangssperre und 14 qm Wohnraum zu viert

Manchmal regnete es in Portugal über Wochen hinweg durch, sodass wir tatsächlich bereits darin geübt sind, uns hier im Wohnmobil sinnvoll zu beschäftigen (lasst mich in den Kommentaren wissen, ob ich dazu etwas schreiben soll). Natürlich finden es die Kinder und die Hunde so gar nicht amüsant und beide Parteien würden nur zu gerne einfach alle Regeln über Bord werfen. An sich sind Regeln schließlich auch da, um gebrochen zu werden (so meine Tochter, mein Sohn ist da anderer Meinung).

Doch in diesem Fall müssen wir uns alle daran halten. Beide haben es verstanden und sind mehr als bereit die Ausgangssperre einzuhalten, solange sie ab und zu 5 Minuten hinter dem Wohnmobil spielen können. Das haben wir abgeklärt, damit wir auch keine Strafe dafür bekommen. Mittlerweile dürfen Kinder hier nämlich nicht mehr draußen gesichtet werden, ansonsten drohen hohe Bußgelder.

Während der vergangenen Tage haben wir uns schnell an die neuen Abläufe gewöhnt, einzig das Einkaufen bereitet uns aufgrund unserer Lage ein wenig Probleme.

Unser Stellplatz während der Ausgangssperre

Für uns bedeutet die Ausgangssperre, dass wir uns im Moment auch nicht weiterbewegen dürfen. Wir dürfen uns an keinem öffentlichen Platz aufhalten (noch gibt es einige wenige Plätze laut anderen Vanlifern). Ebenso gibt es eine neue Regel, die besagt, dass sich in einem Fahrzeug jeweils nur eine Person aufhalten darf. Für uns unrealisierbar, wobei wir uns laut Polizei noch in einer Grauzone bewegen, da wir schließlich auch darin leben. Ist also soweit in Ordnung. Noch während ich das alles hier schreibe, kann sich alles schlagartig ändern.

Unser kostenloser Stellplatz befindet sich an einer Tankstelle nahe Mazarrón. Offiziell ausgewiesen, einzelne Parzellen mit Untergrund aus Schotter. Jeder Platz hat seinen eigenen Wasseranschluss, ebenso wie Strom. An sich kostet der Strom 5,35€/Tag, doch im Moment zahlt keiner der Anwesenden mehr als einen Tag. Das finden wir überaus freundlich und lieb von dem Betreiber, der unsere Situation so nicht ausnutzt. Wir stehen hier quasi seit Tagen und haben bisher lediglich 5,35€ dafür bezahlt. Wir sind mehr als dankbar.

Auch können wir hier alle zusammen für 3,50€ duschen und wir dürfen die sehr sauberen Toiletten benutzen. Besser hätten wir es nicht treffen können, muss ich euch ehrlich sagen.

Unsere Nachbarn

Mittlerweile kennt man sich gut, zwar spricht jeder eine andere Sprache, doch irgendwie kommen wir alle prima miteinander klar. Unsere nächsten Nachbarn leben gerade einmal seit 4 Monaten im Wohnmobil und haben zu Hause in Osteuropa alles aufgegeben. Der Franzose zwei Plätze weiter macht jeden Morgen eine Runde Sport, grüßt freundlich und geht auf Schneckenjagd (ehrlich!). Die Spanier bleiben lieber unter sich, winken aber ganz herzlich aus dem Fenster.

Alle sind hier entspannt und keiner hat Angst. Alle kommen hier super mit der Situation zurecht und machen das Beste daraus. Mehr kann man auch nicht tun und ich finde es großartig, wie wunderbar man hier miteinander umgeht.

Einkaufen in Spanien während der Coronakrise

Mittlerweile haben nur noch ausgewählte Supermärkte geöffnet und es darf jeweils nur eine Person in den Laden. Vielerorts wurden Schutzmaßnahmen getroffen, wie z. B. die Bereitstellung von Desinfektionsmittel und Handschuhen am Eingang eines jeden Supermarktes. Wir machen fleissig mit und halten genügend Abstand zu allen anderen. Auch haben wir uns Masken besorgt, für den Fall der Fälle. Überall wird geraten mindestens 1m Abstand zu anderen zu halten und mehr als 2 Personen dürfen nicht miteinander gesehen werden.

So stehen die Spanier hier an der Tankstelle (unser Stellplatz) in Zweiergrüppchen beinander und trinken ihren Morgenkaffee. Dabei tauschen sie in unregelmäßigen Abständen den Gesprächspartner und “wandern” quasi im Kreis, bis alle Informationen ausgetauscht wurden. So ganz klappt es also noch nicht.

Die Polizei kontrolliert fleissig Einkaufszettel und anderes Beweismittel, das zeigt, warum und wo man sich aufgehalten hat. Es ist absolut untersagt unnötigerweise die Ausgangssperre zu missachten und es wird heftig geahndet. Im Übrigen sind es leider oft die noch verblieben Touristen hier, die sich nicht daran halten. Sehr schade und ich hoffe, das fällt nicht auf alle zurück. Wenn ihr also hier seid, bleibt bitte in euren Mobilen! Sonst spitzt die Situation gegebenenfalls zu – nicht zugunsten der Ausländer.

Hilfsbereitschaft?

Wird hier ganz groß geschrieben. Zumindest genau hier, wo wir uns befinden. Gestern morgen wurden wir mit 3 kg frischen Orangen, einer Box gefüllt mit Erdbeeren, Bananen und etlichen Kräutern etc. “beliefert”. Ein Local hat die Kinder gesehen und wollte uns unbedingt etwas Gutes tun. Selten hat mein Herz so gelacht. Kurz darauf kamen unsere osteuropäischen Nachbarn und brachten den Kindern ein paar Spielfiguren. Was will man mehr?

Die Mädels von der Tankstelle sind auch immer zur Stelle, wenn wir etwas brauchen und geben uns stetig Auskunft. Auch die Polizei und andere staatliche Autoritäten sind sehr hilfsbereit und etwas lockerer. Wir Erwachsenen dürfen uns um die Tankstelle bewegen, wir dürfen mit den Hunden spazieren gehen, auch dürfen die beiden hier frei herumspringen (fährt ja so oder so kaum ein Auto auf der Straße).

Auch sind alle sehr geduldig mit mir und meinem unbürokratischen Spanisch, das ist halt doch eine ganz andere Nummer als Small Talk, Einkaufen und Informationsbeschaffung.

Alles in allem fühlen wir uns hier gut aufgehoben und bereuen unsere Entscheidung, nicht panisch nach Deutschland gefahren zu sein, so rein gar nicht. Wir sind glücklich darüber, das für uns Richtige getan zu haben. Wären wir nun in Deutschland, würden wir frieren und hätten keinen Platz nahe unserer Familie. Ebenso müssten wir uns für mindestens zwei Wochen in Selbstisolation begeben. So harren wir lieber hier in Spanien mit lieben Menschen um uns herum aus.

Wir hoffen euch allen geht es gut!

Nadine & der Rest

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