Fangen wir mit der Angst an. Ich möchte euch heute ein paar Gedanken zur aktuellen Situation dalassen. Zum Teil wie wir darüber denken und wie wir damit umgehen, aber auch warum wir uns nicht aus der Ruhe bringen und uns keine Angst machen lassen (wollen).

Angst und Gefühle

Ich greife einmal den ersten Teil des Titels auf: Angst ist nur ein Gefühl. Für gewöhnlich hört man die Leute sagen, man höre am besten auf das Bauchgefühl. Was so an sich auch richtig ist und zielführender als Entscheidungen, die von außen beeinflusst werden.

Gefühle können uns manchmal aber auch irreführen. Bei einer Massenpanik, wie wir sie momentan teilweise erleben, haben trügerische Gefühle, welche zu Fehlentscheidungen führen können, ganz leichtes Spiel. Wir lassen uns extrem von dem beeinflussen, womit wir von außen bombardiert werden. Täglich hören wir die schrecklichen Nachrichten und sehen im Fernsehen, wie aussichtslos die Situation mancherorts zu sein scheint. Das schürt ungemeine Angst in uns, wenn es uns selbst betrifft. Normalerweise haben wir mit den Nachrichten, wie sie die öffentlichen Anstalten gerade senden, nicht viel am Hut. Alles findet weit weit weg statt. Doch dieses Mal ist es anders. Es passiert in Europa und das auch noch nahezu flächendeckend.

Das ruft viele negative Gefühle in uns hervor, plötzlich sind wir mit ureignen Ängsten konfrontiert und haben tatsächliche Angst um unser Leben oder das unserer Lieben. Ob die nun berechtigt ist oder nicht, kann man nur für sich selbst entscheiden, nachdem man sorgfältig alle auf einen persönlich zutreffende Fakten geprüft und analysiert hat. Damit man hier klar sehen kann und keine Panik bekommt, muss man die Gefühle erst einmal außen vor lassen.

Für mich persönlich ist nur dann eine sinnvolle Entscheidung möglich. Dabei ist es egal, worum es geht, ich nehme die aktuelle Situation lediglich als Beispiel. Das kann auch die Schließung des Familienbetriebes betreffen oder ähnliche einschneidende Lebensereignisse.

Schlimm finde ich die Hysterie, mit welcher viele unterwegs sind. Irgendwo auch logisch, da es Thema Nummer eins ist, egal wo man hinhört. Das bestätigt die eigenen Gefühle auch noch zusätzlich und die Spirale dreht sich immer weiter nach unten. Bis man nur noch schwarz sieht.

Es findet aber nur in unseren Köpfen statt, solange wir nicht im echten Leben unmittelbar damit (mit einem “Problem”) konfrontiert sind. Das ist ein bisschen, als würde man darauf warten, dass es endlich passiert. Der negative Einschnitt in das eigene Leben. Und bis zu dem Punkt verfolgt man voller negativer Spannung was da draußen los ist. Könnt ihr meinen Gedanken noch folgen?

Jetzt ist aber Schluss mit der Angst. Ich empfinde sie für uns als sehr unangebracht und nicht hilfreich. Wie geht es euch damit? Lasst ihr euch von der Angst anderer mitreißen und beeinflussen?

Sicherheit

Widmen wir uns der Sicherheit, die natürlich eng mit der Angst verbunden ist. Die meisten Menschen brauchen gewisse Sicherheiten, wir natürlich auch. Wir wollen grundlegende Dinge wie Wasser, Nahrung, Unterschlupf, Versorgung im Notfall und Co immer gewährleistet haben, passt soweit.

Übrigens sehe ich nirgendwo die Notwendigkeit, sich mit Unmengen an Nahrungsmitteln und Klopapier einzudecken, um den eigenen Hintern möglichst in Sicherheit zu wägen. Hier hat die Angst Überhand gewonnen und das rationale Denken komplett ausgeschaltet. Für ein bisher funktionierendes System hat (oder kann) das verheerende Folgen und die Menschlichkeit ist auch irgendwo in den tiefen des neuronalen Netzwerkes verschwunden.

Jedenfalls bekommen wir gerade eine kleine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, wenn die Sicherheit wegfällt. Hefe ist in ganz Europa ausverkauft, Menschen stehen Schlange für Klopapier (?) und in manchen Teilen ist nicht einmal mehr die medizinische Versorgung garantiert.

Dinge, an deren Existenz wir gewohnt sind, fallen plötzlich weg, was den Menschen ein bisschen den Boden unter den Füßen nimmt. Das zeigt einmal wieder ganz gut, dass es die vermeintliche Sicherheit gar nicht gibt. Es kann jederzeit etwas passieren, was unser komplettes Versorgungsnetz ausfallen lässt!

Wisst ihr was? Wir bekommen eine ganz kleine und leise Ahnung davon, wie sich das Leben von Millionen von Menschen tagtäglich anfühlt. Dabei geht es uns noch sehr gut! Und wir jammern, können uns nicht an einfache Regeln für das momentane Zusammenleben halten und fordern unser vorheriges Leben wieder zurück. Zurecht ja, aber das ist wieder ein anderes Thema. Wir sind gespannt, wie es danach weitergeht.

Was ich auch sehr spannend finde ist, wie es die vielen Reisenden nun handhaben. Man hört die Leute oft so schlecht von Deutschland sprechen, doch jetzt wollen alle wieder zurück. Weil wir in Deutschland (noch) Sicherheiten haben, die es anderswo aktuell nicht gibt. Das Leben im Ausland ist solange gut, bis es Probleme gibt. Das finde ich ein wenig schade und kurzsichtig, will aber auch nicht weiter darauf eingehen. Viele Menschen haben natürlich auch sehr gute Gründe, wie z. B. die Unterstützung der Familie etc. Das will ich keinesfalls über einen Kamm scheren. Das lasse ich euch nur einmal als Gedanken da.

Vor allem auch, da viele aus Risikogebieten zurückkehren. Ist das nun gut oder schlecht?

Im Youtubevideo zu diesem Artikel gebe ich euch persönliche Beispiele, bei deren die Sicherheiten, die wir uns “gekauft” hatten, nicht greifen konnten und wir dann alleine zurechtkommen mussten.

Weltschmerz und dabei positiv bleiben

Wie vor Kurzem auf Instagram gepostet, mag ich es gut gelaunt und dem Tag gegenüber positiv eingestellt zu sein. Ich lache gerne und oft, auch jetzt. Sogar gerade jetzt. Es hat einige Zeit gebraucht, um mit allem fertig zu werden, das gebe ich zu, doch jetzt sind wir (oder eher ich) hier über den Berg.

Auslöser zu dem hier geschrieben ist ein Kommentar auf meinem Youtubekanal. Die Dame mochte meine gute Laune angesichts der Situation in Europa überhaupt nicht. Das gab mir sehr zu denken!

Europa ging es die letzten Jahrzehnte relativ gut. Vor allem uns Menschen in Deutschland. Dass wir nur einige der wenigen Privilegierten sind, das sehen wir überhaupt nicht. Wir wollen es vielleicht auch gar nicht sehen, denn dann wären unsere kleinen Alltagsprobleme völlig übertrieben und auch so manche Verhaltensweise wäre absolut unangebracht.

Ich habe lange gebraucht um überhaupt an diesen Punkt zu kommen. Mich hat es schon immer stark beeinflusst, was auf der Welt passiert. Ich habe nie verstehen können, wie man normal essen kann, wenn man weiß wie viele Kinder jeden Tag hungern müssen. Wie man sein Auto stundenlang waschen kann, ohne an die vielen durstigen Menschen zu denken. Ich habe es nie verstanden, wie man ein Schwein verdrücken kann und seinen Hund streicheln. Oder warum man sich teure Regenwaldhölzer in das Wohnzimmer stellen muss, wohl wissend, dass etliche Tiere dafür sterben und viele weitere ihren Lebensraum verlassen müssen.

Das alles finde ich viel schlimmer und all das hat weitaus verheerendere Folgen für uns und unseren Planeten, als das, was gerade passiert. Und das passiert täglich seit Jahrzehnten! Nur hat es nie jemanden interessiert. Jetzt wo wir aber alle betroffen sind und es krasse Einschnitte in unser Leben gibt, Freiheitsbeschränkungen und neue Regelungen. Jetzt dürfen wir ein Gesicht ziehen und traurig sein, Mitgefühl und Solidarität zeigen. Das ist auch alles gut, richtig und wichtig, nicht falsch verstehen! Doch diese Doppelmoral nervt. Solange es uns in Europa gut geht, ist alles andere egal und wir dürfen Kaffe (aus fernen Ländern importiert und von Kindern geerntet) trinken und uns über die miesen Situationen anderer auslassen. Dabei vergessen wir auch gerne, dass das Kleidungsstück welches wir gerade tragen, von einer unterbezahlten Näherin gemacht wurde, die nicht weiß, ob sie morgen noch einen Job hat und ihre Familie ernähren kann. Bravo Europa!

Das war es erst einmal, wer noch mehr will, schaut sich das Video auf YouTube an oder stöbert durch unsere Playlists. Ich hoffe, euch geht es gut in dieser einzigartigen Situation und ihr macht das Beste daraus!

Alles Liebe, Nadine

2 Comments

  1. Jutta Lind

    Hallo Nadine, ich bin ganz deiner Meinung. Mein Mann, Hund und ich sind Überwinterer und stehen auf einem Campingplatz in Puerto de Mazzaron. Wir haben ein Zuhause in Deutschland. Als zum Anfang der Ausgangssperre die meisten Leute fluchtartig die Reise gen Heimat antraten, las ich viel in Facebook…hätte ich nicht tun sollen!!! Da bekam ich auch einen Anflug von Panik. Wäre mein Mann nicht gewesen, der zur Risikogruppe gehört, hätte ich auch meine Sachen gepackt. Zumal unsere Söhne ja in Deutschland wohnen.
    Das Schlimmste war die Ungewissheit wie es auf dem Campingplatz weitergeht. Müssen wir fahren oder dürfen wir bleiben. Jetzt, da hier alles geregelt ist, bin ich total relaxt und genieße das schöne Wetter.
    Während dieser Fluchtphase machte ich mir aber auch immer wieder klar, in D kommt dieses Anwachsen der Infektionsrate erst noch. Die Spanier verhalten sich größtenteils so diszipliniert, was man von unseren lieben Landsleuten nicht behaupten kann.
    Also auch wir fühlen uns hier sicher. Ich wünsche dir und deinen Lieben weiterhin angenehme Tage in Malaga und bleibe weiterhin so positiv. Griskrämer gibt es genug, besonders in deutschen Landen.

    1. Nadine

      Hallo liebe Jutta,
      ich finde es ganz wunderbar, wie die Spanier reagieren und auch wie schnell alles ging. Wie du bereits sagst, in Deutschland läuft das ja komplett anders ab und der Höhepunkt ist noch nicht einmal erreicht. Gut, dass ihr doch noch die Ruhe bewahren konntet und einen sicheren Platz gefunden habt. Es ging ja vielen so, dass sie total verunsichert waren. Gerade auch aufgrund von Facebook. Da ist so viel im Umlauf und auch so viel Falschinformation, da lässt man sich schnell mitreißen. Ich wünsche euch noch alles Liebe und viele Grüße nach Mazarrón! Genießt die Tage und bleibt gesund ♡
      Nadine

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